Herr Diekmann und Frau Berger im Gespräch

Frau Berger und Herr Diekmann im Gespräch

Wolltet ihr schon immer mal etwas mehr über eure Lehrer erfahren? Oder hinter die strenge Fassade blicken? Wo sie aufgewachsen sind? Was sie als Kind gerne gemacht haben? Wie sie selbst damals in der Schule waren? Wir waren zumindest etwas neugierig. Daher haben wir beschlossen, Lehrerinterviews zu einem festen Bestandteil der Schülerzeitung zu machen. Für das erste Interview haben wir Herrn Diekmann und Frau Berger ausgewählt, da sie für uns als Oberstufenschüler unverzichtbar sind. Normalerweise kennt man die beiden nur als diejenigen, die über alles und jeden Bescheid wissen und mit Rat und Tat zur Seite stehen. Wir haben für euch hinter diese Fassade geblickt und geben euch hier einen kleinen Einblick in die Personen hinter unseren Oberstufenkoordinatoren. Los geht’s!

Die Rückkehr der Jedi-Ritter

Vor langer Zeit in einer Galaxie weit, weit entfernt: Die kleinen Jedi-Ritter Claudia Berger und Joachim Diekmann ahnen noch nichts von ihrer glorreichen Karriere an Bord der KGS Rastede. Obwohl der junge Padawan Diekmann in der ländlich gelegenen Galaxie Atter bei Osnabrück sein Unwesen auf dem Fuß­ballplatz treibt und der Padawan Berger im Zentrum der Republik Mönchengladbach Blockflöte spielt und ihre Nase in Bücher steckt, sind ihre Schicksale unweigerlich miteinander verbunden. Nicht nur die Macht verbindet sie miteinander, sondern auch eine Brücke aus Legosteinen, die sie in das Ober­stufen­büro der KGS führen wird. Auf ihrer Reise durch die Galaxie werden beide von den Giganten der Musikgeschichte begleitet: von den Beatles, den Rolling Stones und auch von Queen, bis sie in einer fernen Zukunft ihre wahre Bestimmung finden: Seit vielen Jahren manövrieren sie nun schon nichtsahnende Klonkrieger – getarnt als Abiturienten – mit großem Geschick durch die letzte Schlacht ihrer Grundausbildung.

Auch Jedis waren mal Padawane

Grundschüler Diekmann
Vor langer, langer Zeit… sind auch Lehrer einmal Schüler gewesen.
[Foto: privat]

IRREGULäR: Ihre Schulzeit liegt ja schon eine Weile zurück. In welchem Alter wurden Sie eingeschult? Und was war damals anders?
Frau Berger (BE): Ich wurde mit 6 Jahren eingeschult. Damals hatten wir Schiefertafeln.
Herr Diekmann (DK): Ich wurde auch mit 6 Jahren eingeschult. Schiefertafeln waren jedoch vor meiner Zeit. (lacht)
BE: Herr Diekmann ist ja auch gut 10 Jahre jünger als ich. Schiefertafeln waren ganz schön blöd, weil sie so empfindlich waren. Die finanziellen Verhältnisse – mit 3 jüngeren Geschwistern – waren schwierig und irgendwann bin ich auch mal gefallen, wobei die Tafeln kaputt gingen. Es war schwierig für meine Eltern diese zu ersetzen. Auch in der Schule gab es Ärger deshalb.
IRREGULäR: Was waren denn Ihre Lieblingsfächer?
BE: Mathe und Naturwissenschaften. In der Oberstufe hab ich Geschichte als Leistungskurs gewählt.
DK: Das wusste ich auch noch nicht. (Alle lachen.)
BE: Sport fand ich schrecklich, weil ich immer unter den letzten Dreien war, die gewählt wurden. Im Schwimmen war ich immer die Beste. Aber ein Seil hochklettern – das war nicht so meins. Da ich auf einem Mädchengymnasium war und Mädchen ja nun in dem Alter sehr speziell sind, waren Sportstunden für mich schrecklich.
DK: Bei mir war auch Mathe durchweg mein Lieblingsfach. Dann hatte ich Mathe und Physik als Leistungsfächer. Und ich fand Erdkunde und Kunst immer ganz gut. Und Sport!
IRREGULäR: Das haben wir uns schon gedacht! (Alle lachen.) Also hatten Sie keine traumatischen Erfahrungen im Sportunterricht?
DK: Doch! Einmal bin ich nicht in der Hockey-Schulmannschaft aufgestellt worden. Das hat mich gewurmt. Dann haben wir mal ein Testspiel gemacht, in dem die, die nicht aufgestellt wurden, gegen die Schulmannschaft gespielt haben. Da haben wir die Schulmannschaft komplett abgezogen, somit durfte ich dann doch mitspielen.
IRREGULäR: Wenn Sie an ihre Schulzeit zurückdenken, woran denken Sie dann als erstes?
DK: An meinen Mathe-Leistungskurs. Das war damals einfach ein netter Kurs, und vielleicht auch weil es ein guter Lehrer war. Es war immer entspannt und wir haben trotzdem viel gelernt.
BE: Ich bin total gerne zur Schule gegangen. Natürlich gab es auch blöde Sachen. Zum Beispiel wollte ich den Chemie-LK belegen, der leider nicht zu Stande kam. Heutzutage kommt ihr zu uns, wenn ihr Probleme habt oder ihr geht direkt zu Herrn Kip. Das war damals undenkbar. Aber ich nahm all meinen Mut zusammen und sprach bei der Schulleitung vor. Leider ohne Erfolg. Manchmal überlege ich, während wir entscheiden, welche Kurse wir einrichten, ob die Erfahrung von damals mir hilft, noch einmal mehr darüber nachzudenken, ob wir gewünschte Kurse möglich machen können.
IRREGULäR: Jetzt die heikle Frage: Was war Ihr Abi-Durchschnitt?
DK: 2,3.
BE: Ich sage ihn auch… Aber das muss man anders einordnen: Die15-Punkte-Skala gab es schon, aber 15 Punkte wurden halt nie vergeben und 13 oder 14 Punkte eigentlich auch nicht. Das war wirklich eine andere Zeit… 2,0 war mein Durchschnitt.

Reise durch die Galaxie zur KGS

IRREGULäR: Wie verlief Ihr beruflicher Werdegang?
BE: Ganz langweilig (lacht): Schule, Uni… Und dann war die Situation die, dass die öffentlichen Haushalte leer waren und die Lehrkräfte nicht eingestellt wurden. Also habe ich fünf Jahre bis zu meiner ersten Stelle warten müssen. Ich habe dann erst einmal eine Weiterbildung zur Programmiererin gemacht.
DK: Ich habe geschwankt zwischen dem Ingenieurstudium und dem Lehramtsstudium. Aber mein großer Bruder war schon Ingenieur bei Mercedes – eigentlich ein Top-Job, aber er war total unzufrieden. Außerdem hat mir meine Studienberatung damals gesagt, dass der Ingenieurberuf ein aussterbender Beruf sei (allgemeines Staunen). Dann habe ich mich dazu entschieden, auf Lehramt zu studieren. Als ich fertig war, gab es immer noch keine Stellen. Ich habe ein Jahr lang bei einer Werbe­agentur gearbeitet.
IRREGULäR: Wie sind Sie zur KGS gekommen?
BE: Wir haben uns für alle Stellen beworben, die es gab. Ich habe mich in Niedersachsen und auch in Nordrhein- Westfalen beworben, weil ich ja damals dort wohnte. Es gab nicht viele Stellen. Und dann habe ich Glück gehabt, diese hier bekommen zu haben.
DK: Ich habe mich damals bundesweit beworben und es gab nur eine Stelle: hier in Rastede. Ich wusste damals gar nicht, was eine KGS ist. Ich wusste also nicht, was mich da erwartet.

Frau Berger als Mitglied der Schulleitung
„Ich habe hier noch so viel zu tun. Ich kann hier nicht weggehen.“ –
Frau Berger als Teil der kollegialen Schulleitung. [Foto: brainstorm 2017]

IRREGULäR: Und warum sind Sie immer noch hier?
BE: Ich bin halt nicht weggegangen (lacht). Also am Anfang habe ich schon gedacht: „Alle 10, 15 Jahre muss man wohl doch mal die Schule wechseln.“ Als dann 10 Jahre rum waren, dachte ich:, „Nach 15 Jahren.“ Und dann waren die 15 Jahre rum und ich dachte: „Ich habe hier noch so viel zu tun. Ich kann hier nicht weggehen.“
DK: Das kannst du der Schule nicht antun!
BE: Also, ich bin mit Leib und Seele hier. Ich habe noch keinen überzeugenden Grund gefunden, warum ich weggehen sollte.
DK: Ich fühle mich nach wie vor sehr wohl hier. Es herrscht ein tolles Schulklima unterhalb der Kollegen und auch zwischen Schülern und Lehrern. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es an einer anderen Schule sehr viel besser ist als bei uns. Klar ist die KGS auch anstrengend, weil man natürlich viele verschiedene Ideen, Meinungen und so weiter unter einen Hut bringen muss. Jeder Schulzweig hat seine eigenen Ansprüche. Im Sportunterricht ist es an der KGS für uns Lehrer schwieriger als an einem reinen Gymnasium, weil wir gemischte Gruppen mit Schülern aus verschiedenen Schulzweigen haben. Die Schüler müssen sich in diesen Gruppen behaupten. Aber das macht dann eben auch die KGS aus. Und ich denke, dass die Vorteile überwiegen.
IRREGULäR: Wie kam es dazu, dass Sie hier Oberstufenkoordinatoren geworden sind?
BE: Als ich gerade vier Wochen da war, fragte mich ein Kollege, ob ich nicht Lust hätte, im Oberstufen­team mitzuarbeiten. Da dachte ich erst einmal: „Wieso denn ich?“ und „Ich hab‘ doch noch gar keine Ahnung.“ Und dann bin ich darauf gekommen, dass kein anderer Lust dazu hatte. Und dann war ich drinnen.
DK: Bei mir war es ähnlich: Es war ein Platz im Team frei und ich bin angesprochen worden. Die Aufgabe gefiel mir, denn sie war mit Organisation verbunden und ich unterrichte eh gerne Oberstufe.

Frau Berger, Herr Diekmann und Frau Tschierschke vor dem Oberstufenbüro
„Und dann bin ich darauf gekommen, dass kein anderer Lust dazu hatte. Und dann war ich drinnen.“ [Foto: brainstorm 2018]

IRREGULäR: Und was gefällt Ihnen am Unterrichten?
BE: Mir gefällt es, wenn Fragestellungen entstehen und Schülerinnen und Schüler Lösungen erarbeiten – also der Lösungsprozess.
DK: Ja das finde ich auch schön. Und der Job ist einfach unfassbar vielfältig. Andere Leute sitzen acht bis neun Stunden auf ihrem Bürostuhl. Bei uns ist jeder Tag anders und wir haben immer neue Schüler, auf die wir uns einstellen müssen. Das ist zwar auch anstrengend und anspruchsvoll, aber dadurch wird es nicht langweilig. Und wenn ich Sport unterrichte, da mache ich mein Hobby zum Beruf.

Die perfekte Raumstation

IRREGULäR: Wenn Sie eine völlig neue Schule gründen könnten, was wäre da anders? Sie hätten dafür natürlich auch ganz viel Geld (alle lachen).
BE: Also ich sage ja immer, wenn ich im Lotto gewinnen würde, dann baue ich eine neue Schule. Und dann gibt es nur schöne Chemie-Räume und davon 10 Stück (lacht).
DK: Also meine Schule hätte jeden Morgen für jeden Schüler irgendwas sportliches und dann auch nachmittags ein Freizeitangebot. Ich finde es wichtig, dass man versucht, die Schüler mehr in die Schule einzubinden, so dass sie sich mehr mit der Schule identifizieren können. Es ist ja leider nicht cool zu sagen: „Hey ich bin von der KGS.“ In anderen Ländern laufen die Schüler mit ihren Schulshirts rum, sie identifizieren sich damit. Das finde ich gut, weil man dann vielleicht auch lieber zur Schule geht.
BE: Kleinere Klassenräume!
DK: Ja, auf jeden Fall. Und ein schöner Schulhof.
BE: Allgemein ein schönes Gebäude.
IRREGULäR: Jetzt sollen Sie sogar noch ein bisschen größer denken: Wenn Sie zum Beispiel in Niedersachsen Kultusminister wären, was würden Sie dann machen?
BE: Kleinere Klassen und weniger Bürokratiekram. Jeden **** aus dem Abitur müssen wir nach Hannover melden. Das kostet alles so unendlich viel Zeit und es wird kein Schüler davon schlauer.
IRREGULäR: Wie stehen Sie zum Einsatz neuer Technologien? Es gibt ja jetzt auch schon Ipad-Klassen…
DK: Ich bin da zwiegespalten. Es gibt zahlreiche Studien, die zeigen, dass Laptopklassen nicht schlauer werden. In China hat man das nach 5 Jahren wieder abgeschafft, weil die Schüler alle schlechter waren als vergleichbare Schüler. Gerade in den Natur­wissen­schaften wird man sicher auch viel mit neuen Technologien machen können. Und wenn die Schüler alle Bücher auf einem Laptop oder Ipad hätten, das wäre sicher eine Erleichterung. Aber grundsätzlich denke ich, man lernt nach wie vor am besten, wenn man etwas per Hand aufschreibt.

Was machen die eigentlich außerhalb der KGS?

IRREGULäR: Was machen Sie in Ihrer Freizeit?
DK: Ich verbringe ganz viel Zeit mit meinem Hund. Das heißt dann morgens und nachmittags je eine Stunde unterwegs sein. Ansonsten fahre ich auch gerne mal eine Runde mit dem Fahrrad. Und ich kann auch mal einen ganzen Samstag mein Auto putzen und polieren und auch ein bisschen daran herumschrauben.
BE: Ich mache Sport. Meistens gehe ich laufen, manchmal finde ich auch noch den Weg ins Fitnessstudio. Dann natürlich Familie, Tanzen und auch einfach Freunde treffen und kochen.
IRREGULäR: Herr Diekmann, kochen Sie auch gern?
DK: Früher hab ich wirklich gerne gekocht. Da war ich zu Hause bei uns auch für das Essen verantwortlich. Mittlerweile kümmert sich meine Frau um das Essen. Ich bin nicht so derjenige, der großartig herumexperimentiert, ich mache Standard-Sachen. Das mache ich aber ganz gerne.
IRREGULäR: Haben sie denn ein Lieblingsgericht?
DK: Lasagne!
BE: Das kann ich gar nicht richtig sagen, vielleicht Salat.
IRREGULäR: Verreisen Sie auch gern?
BE: Wenn es aktiv ist, ja – also mit dem Fahrrad oder wandern. Wenn man mich irgendwo zum Stillsitzen verdonnern wollte, das geht überhaupt nicht. Strandurlaub – nee! Der Bewegungsdrang ist größer als vor zwanzig Jahren.
DK: Früher haben wir die klassischen Strandurlaube gemacht. Jetzt haben wir seit drei Jahren unser Wohnmobil. Mit dem sind wir viel unterwegs, aber auch überwiegend in Deutschland. Wir haben schon diverse Städte abgeklappert, sind aber auch in St. Peter Ording.

Das Wichtigste zum Schluss

Herr Diekmann am schönen opalfarbenen Telefon.
„So lernst du auch eine Frau kennen!“
[Foto: privat]


IRREGULäR: Wie haben Sie es früher ohne Handy oder ohne Medien ausgehalten?
BE: Man hat sich verabredet.
DK: Das gab es halt nicht. Von daher hat man nichts vermisst. Das lief wunderbar und ich habe damals viel Zeit übers Festnetz telefoniert.
BE: 1,50 m von der Wand maximal.
DK: Ja, oder im Flur. Alle konnten mithören. Und da hat man dann ganz normal telefoniert mit dem schönen opalfarbenen Telefonhörer.
IRREGULäR: Würden sie die Zeit zurückdrehen wollen? Handys wieder abschaffen…
BE: Also man kann ja das Rad nicht zurückdrehen… Ein paar Entwicklungen am Handy finde ich schon furchtbar: Egal, wo man ist und in welcher Lebenssituation, alle Welt hat immer dieses Ding in der Hand. Und das eben über dieses Medium viel Schaden kommt, das ist nervig. Ansonsten entscheide ich ja selber, wie viel ich das Ding nutze.
DK: Ich nutze das Handy ja selber auch und mag die Vorzüge: mal eben schnell eine Nachricht austauschen oder sich über den Stand beim Fußball zu informieren. Klar wünscht man sich, dass Schüler oder Jugendliche das bewusster einsetzen und dass es eben nicht permanent da ist und ablenkt. Wir können das Rad nicht zurückdrehen. Aber es ging auch ohne: So lernst du auch eine Frau kennen.

IRREGULäR: Frau Berger, Herr Diekmann, vielen Dank für das Gespräch!



Vorbereitung und Durchführung des Interviews, Erstellung des Textes, Einleitung


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Einleitung, Redigieren


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Erstellung des Textes


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