Unser Sozialpädagoge Herr Pernt

Bei der Schülerzeitung gibt es jetzt auch Artikel extra für die Feldbreite: „Feldbreite spezial“. Unser erster Beitrag ist ein Interview mit Herrn Pernt. Ihr kennt ja bestimmt schon den neuen Sozialpädagogen in der Feldbreite. Auf unserem Titelbild ist er zusammen mit Frau Hannawald-Keller. Sie ist auch Sozialpädagogin und arbeitet hauptsächlich in der Wilhelmstraße.
Wir wollen euch Herrn Pernt hier noch besser vorstellen, damit ihr euch traut, ihn zu fragen, wenn ihr Hilfe braucht. Denn als Sozialpädagoge hilft er Schülerinnen und Schülern nicht beim Lernen, sondern bei Schwierigkeiten mit anderen Leuten.

Wisst ihr denn heute schon ganz genau, was ihr einmal werden wollt? Herr Pernt ist jetzt unser Sozialpädagoge. Aber hättet ihr gedacht, dass er vier Jahre lang als Zimmerer durch die Weltgeschichte gereist ist? Und auch das war nicht sein einziger Berufswunsch. Aber lest selbst…

Vom Zimmerer zum Sozialpädagogen

IRREGULäR: Herr Pernt, wie und warum sind Sie eigentlich Sozialpädagoge geworden?

Herr Pernt: Das ist nun fast fünfzehn Jahre her, dass ich als reisender Zimmerer (oder „Zimmermann“, Anmerkung der Redaktion) wie alle Handwerksgesell*innen auf der traditionellen Wanderschaft war. Während dieser guten vier Jahre war ich auch in einer erlebnispädagogischen Einrichtung, um dort Möbel zu bauen. Einmal wurde ich gefragt, ob ich nicht Lust hätte, eine Gruppe von Jugendlichen mit zu begleiten. Sie hätten nämlich Personalmangel. Wir sind mit drei großen Kanus zu der kleinen Insel Lieps auf dem Schweriner See übergefahren. Dort hatten wir viel Spaß beim Spielen und Schwimmen. Am Abend machte ich ein kleines Lagerfeuer für Stockbrot und Marshmallows. Dazu wurden gruselige Geschichten erzählt, bevor alle in ihre Schlafsäcke krochen.

Überfahrt zur Insel Lieps im Schweriner See
Übernachtung im Schlafsack

Dann habe ich mich weiter für die Arbeit mit Jugendlichen interessiert. Und schließlich habe ich angefangen, an der Fachschule in Emden soziale Arbeit zu studieren. Als ich selber Schüler war, hat mir in der Schule immer so ein Mensch gefehlt: Einer, den man in schwierigen Situationen ansprechen kann – so wie ich das jetzt für euch versuche. Das war eine meiner Motivationen, an eine Schule zu gehen.

Schulzeit damals und heute

Als Herr Pernt selbst Schüler war, gab es an seiner Schule keinen Sozialpädagogen – leider.

IRREGULäR: Was waren Sie denn für ein Schüler?

Herr Pernt: Ich war ein stiller Schüler, der aber oft in Schwierigkeiten geraten ist. Das lag unter anderem daran, dass mir häufig Sachen zugetraut wurden, die ich nicht getan hatte. Das hat dazu geführt, dass einige nichts mit mir zu tun haben wollten. Und das war für mich sehr anstrengend. Durch Sport im Verein und Freunde habe ich diese Zeit aber gut überstanden.

IRREGULäR: Dann haben Sie als Schüler also eher negative Erfahrungen mit Lehrern gemacht. Wie ist das jetzt für Sie, mit Lehrern zusammenzuarbeiten?

Herr Pernt: (Lacht.) Ich bin ja ein Zwischending: Ich bin weder Schüler noch Lehrer. Glücklicherweise habe ich in den letzten zehn Jahren wenig problematische Lehrer kennen gelernt. Die Lehrer heute haben ja eine andere Einstellung, lassen auch etwas zu, sind offen für Anregungen, machen anschaulicheren Unterricht, … Das war damals in meiner Schulzeit eher nicht der Fall. Klar, es gab auch ein paar tolle Lehrer. Meistens wurde jedoch frontal unterrichtet. Das heißt, dass der Lehrer vorn an der Tafel alles erklärt hat und die Schüler*innen immer mit Blick nach vorn sitzen und aufpassen müssen. Wer nicht aufmerksam nach vorn geschaut hat, bekam automatisch ein Minus oder wurde durch besonders schwere Fragen dazu gebracht, aufmerksamer zu sein. So ein Unterricht hat mir keinen Spaß gemacht.

IRREGULäR: Das ist bei uns nicht so. Da merkt man, wie sehr sich seitdem die Schule verändert hat.

Berufswünsche

IRREGULäR: Hatten Sie als Schüler einen Traumberuf?

Herr Pernt: Berufe, die ich machen wollte, gab es eine ganze Menge. In eurem Alter wäre ich gern Fahrradmechaniker geworden. Dann wollte ich Rettungssanitäter werden, dann Stahlbetonbauer und auch Tischler. Doch der Job, der eigentlich am besten zu mir passte, ist der, den ich dann auch ausgelernt habe, nämlich der als Zimmerer. Das ist ein toller Job, aber leider mit Familie nicht so einfach hinzubekommen: Die Arbeit fängt sehr früh an und man kommt meist sehr spät nach Hause. Allerdings ist man viel an der frischen Luft und arbeitet meist im Team. Bewegung und Teamarbeit sind mir bei der Arbeit auch heute noch sehr wichtig.

Zimmerer (oder Zimmermann) ist ein Beruf des Holzbaugewerbes.  Zimmerleute fertigen, errichten und reparieren zum Beispiel Dachkonstruktionen, Fachwerk, Balkone, aber auch Möbel aus Holz.
Wie viele Zimmerer ging Herr Pernt nach Abschluss der Lehrzeit auf Wanderschaft. Während der Wanderjahre lernen junge Zimmerer nicht nur viele neue Orte kennen, sondern auch die dort üblichen Arbeitspraktiken.

Als Sozialpädagoge an der KGS Rastede

IRREGULäR: Warum sind Sie an unsere KGS gekommen?

Herr Pernt: Weil hier eine Stelle ausgeschrieben war. Ich bin Oldenburger. Sieben Jahre lang habe ich in Delmenhorst an einer Hauptschule gearbeitet und nun möchte endlich näher an meiner Familie sein. Also habe ich mir die Homepage der KGS Rastede angeschaut und festgestellt, dass es hier sehr schöne Überlegungen gibt, mit Schülern zu arbeiten. Das hat mich gereizt, mich hier zu bewerben. Tja, und dann bin ich genommen worden (schmunzelt).

IRREGULäR: Welche Projekte machst du an unserer Schule und welche willst du noch machen?

Herr Pernt: Zuerst einmal möchte ich die AGs unterstützen. Bei den Streitschlichtern möchte ich auch sehr gern mitmachen. Denn ich habe in der letzten Schule, an der ich war, die Achtklässler*innen als Streitschlichter*innen ausgebildet und fünf Jahre lang begleitet. Ich habe auch vor, hier an der Feldbreite Schulsanitäter*innen auszubilden, die dann einen Verband anlegen dürfen. Außerdem möchte ich mich gern in der Draußen-AG und in der Garten-AG einbringen und mit Schüler*innen für die Schule etwas aus Holz herstellen. Gemeinsam mit meiner Kollegin (Frau Hannawald-Keller, der Sozialpädagogin aus der Wilhelmstraße, Anmerkung der Redaktion) bin ich in der Planung für mehr Sozialtraining.

Herr Pernt hat für alle ein offenes Ohr … und kann schweigen wie ein Grab

IRREGULäR: Was sollten die Schülerinnen und Schüler noch über dich und deine Arbeit hier wissen?

Herr Pernt: Wenn ihr Probleme habt mit Freunden, Familie, Geschwistern, Eltern, Lehrern oder sogar mit der Schulleitung, könnt ihr gern zu mir kommen. Ich habe Schweigepflicht. Das finde ich ganz wichtig, dass ihr Schüler wisst, dass ich euren Lehrern und selbst Frau Ildiz oder auch der Schulleitung drüben in der Wilhelmstraße nichts sagen darf, es sei denn, es besteht sehr große Gefahr. Ich bemühe mich, immer ein offenes Ohr für euch zu haben.

Herr Pernt hat sein Büro in Raum 28 in der Feldbreite. Dort ist viel Platz für Einzel- und Gruppengespräche.

IRREGULäR: Wo sind Sie in der Schule zu finden?

Herr Pernt: Normalerweise bin ich in der Feldbreite in Raum 28 zu finden. Meine Arbeitszeiten sind von montags bis mittwochs 9.30 Uhr bis 14.30 Uhr. Donnerstags bin ich sogar von 9.30 Uhr bis 16.00 Uhr hier. Darüber hinaus können gern Termine vereinbart werden. Falls ich nicht in Raum 28 sein sollte, hänge ich einen Zettel an meine rote Tür, auf dem steht, wo ich zu finden bin.

IRRERULäR: Mit welchen Fragen können die Schülerinnen und Schüler zu Ihnen kommen?

Herr Pernt: Fragen könnt ihr Schüler mich eigentlich alles. Ich habe nicht immer für alles eine Lösung oder Antwort sofort parat, versuche aber mit euch gemeinsam eine Antwort zu finden. Falls das nicht ausreicht und ihr damit einverstanden seid, hole ich mir Anregungen von anderen.
Ihr könnt also zu mir kommen, wenn ihr einfach nur quatschen wollt, aber auch wenn ihr euch tatsächlich verletzt habt und ein Pflaster braucht.

Das beste zum Schluss: Freizeit

Herr Pernt hat viele Interessen. Früher war er auch beim Kleinzirkus aktiv.

IRREGULäR: Nun sind wir noch neugierig auf ihre Hobbys. Was machen Sie in ihrer Freizeit?

Herr Pernt: Meine Hobbys sind etwas in den Hintergrund geraten durch den Job und die Fahrerei nach Delmenhorst. Ich habe immer gerne jongliert und war früher einmal bei der Zirkusschule „Seifenblase“ aktiv dabei. In dieser Richtung würde ich gern wieder etwas machen. Vielleicht hole ich auch die eingestaubten Gitarren vom Dachboden, um endlich einmal zu lernen richtig darauf zu spielen.
Seitdem ich Kinder habe, sind Kinder, Haus und Hof meine Hobbys. Ich betätige mich gerne im Garten und mache gelegentlich Sport. Außerdem treffe ich mich mit Freunden und besuche Konzerte oder auch Basketballspiele. Aber für ein richtiges Hobby im Verein oder in einem Club fehlte mir in den letzten Jahren die Zeit.


IRREGULäR: Herr Pernt, vielen Dank, dass Sie sich so viel Zeit für unser Interview genommen haben. Wir wünschen Ihnen viel Erfolg und eine schöne Zeit an unserer KGS.



Aaliya und Anna haben die Fragen vorbereitet und das Interview durchgeführt. Anschließend haben sie aus der Tonaufnahme den endgültigen Text erstellt, Fotos ausgewählt und das Layout gestaltet.
Am besten hat ihnen die Durchführung des Interviews gefallen. Das war spannend und lustig und es gab leckeres Essen.

Veröffentlicht am