Stop bullying

Mobbing und Cyber-Mobbing

Veröffentlicht am

von Ann-Kathrin Eichhorn und Zoe Petermann

Wie Mobbing den Alltag beeinträchtigt und das Leben für immer verändern kann

Ich habe letztens einen Kurzfilm über Mobbing an Schulen gesehen: Ein Junge mobbt mit seinen Freunden ein Mädchen, nur weil sie anders ist und aussieht als andere Mädchen. Erst als er bemerkt, dass seine Schwester selbst von Mobbing betroffen ist und sie sich daraufhin das Leben nimmt, werden ihm die Augen geöffnet. Er sieht endlich ein, dass Mobbing falsch ist und kümmert sich nun um das Mädchen, welches er mit seiner Clique schon Ewigkeiten schikaniert hat, und entschuldigt sich bei ihr für all die schrecklichen Taten, die ihr angetan wurden.
Doch muss erst ein solch schreckliches Ereignis geschehen, damit jemand aufhört seine Mitschüler zu terrorisieren? War dem Jungen nicht vorher bewusst, dass andere Menschen fertigzumachen schlechtes Handeln ist?

Mobbing durch verbale Gewalt

Laut der Studie „PISA 2015“ der OECD wird jeder sechste fünfzehnjährige Schüler in Deutschland regelmäßig Opfer von Mobbing. Doch wieso mobben sich gerade Jugendliche so häufig gegenseitig? Nur weil man nicht die neuste Markenkleidung trägt? Weil man nicht einem Trend folgt, den jeder im Moment angesagt findet? Weil man nicht der Norm entspricht? Weil man nicht das Gewicht hat, welches von der Gesellschaft als „Idealgewicht“ angesehen wird?
Menschen suchen viele verschiedene Gründe, um ihr Handeln rechtfertigen zu können. Manchmal ist dem- bzw. derjenigen nicht bewusst, wie sehr er bzw. sie einem anderen Menschen das Leben zu Hölle macht. Andere wissen ganz genau, dass durch ihr Handeln ein anderes Leben zerstört wird. Ich behaupte, dass viele Menschen aus einem bestimmten Grund zu Mobbern werden. Ihr eigenes Ego ist geschädigt und durch Mobbing wollen sie dies kompensieren. Sie möchten ihr Selbstwertgefühl steigern, indem sie andere wegen ihres Aussehens oder ihres Verhaltens runtermachen.

Mobbing durch soziale Ausgrenzung

Aber warum wird Mobbing in unserer Gesellschaft eigentlich schon als „normal“ hingenommen? Häufig werden Menschen schikaniert, egal ob in der Schule, bei der Arbeit oder in der Nachbarschaft. Meistens schaut man weg, weil man nicht davon betroffen ist. Und wenn man dann doch mal eingreift, wird man womöglich in Zukunft auch ein Opfer der Schikane werden. Also handelt man egoistisch und redet sich ein, dass die Person das selber regeln muss. Stimmt’s?
Aber eine Gesellschaft kann so nicht funktionieren. Es ist okay und normal, dass man nicht mit jedem Menschen gleich gut auskommt. Das geht ja auch gar nicht, weil alle Menschen verschiedene Persönlichkeiten und Interessen haben. Jeder ist auf seine Weise einzigartig. Man kann aber andere Menschen so akzeptieren, wie sie sind, ohne gleich alles an ihnen zu kritisieren und sie zu schikanieren. Niemand verlangt von dir, dass du mit jedem befreundet sein musst. Aber ein bisschen Toleranz und Solidarität kann doch nicht schaden, um ein freundliches Miteinander zu schaffen. Man selbst möchte doch auch das eigene Leben so leben, wie es einem gefällt und nicht, wie andere es gerne hätten. Das Zitat „Leben und leben lassen“ von Friedrich von Schiller beschreibt das, finde ich, ziemlich gut.

Mobbing durch physische Gewalt

Ich habe schon erlebt, wie sich Menschen immer mehr durch Mobbing verändern. Sie ziehen sich zurück, sind traurig und verschließen sich. Ich denke, dass sowohl der bzw. die Betroffene selbst als auch seine bzw. ihre Freunde und Familie mit dieser Situation überfordert sind. Aber man muss handeln, damit die Angriffe, die sowohl psychisch als auch physisch sein können, aufhören. Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass die Betroffenen nicht gerne mit anderen Menschen darüber reden möchten, weil sie Angst vor weiteren Schikanen haben oder einfach, weil sie sich gedemütigt fühlen. Wenn man jedoch nicht handelt, wird es vermutlich immer schlimmer. Man kann sich an einen Beratungslehrer der Schule wenden, an den Klassenlehrer, an die Schulleitung, an Freunde oder Familienmitglieder. In der KGS wird gerade ein Mobbing-Interventionsteam aufgebaut. Dazu gehören mehrere Lehrkräfte, die besonders ausgebildet werden, um Mobbingfälle aufzulösen. Ebenfalls werden verschiedene Hotlines angeboten, bei denen man sich anonym melden kann, wenn man nicht mit jemandem aus dem Umfeld sprechen möchte. Beispiele sind die Nummer gegen Kummer (0800 111 0333) und Mobbing Help Desk (07123 – 381613).

Stop bullying

Eine Freundin von mir hat einmal beobachtet, wie ein Junge von seinen „Freunden“ geärgert wurde. Sie sind dann gegangen und haben ihn alleine stehen gelassen. Meine Freundin ist dann einfach zu ihm hin und hat ihn umarmt, obwohl sie ihn nicht kannte. Ich glaube, dass kleine Gesten schon bewirken können, dass sich ein Mensch besser und mehr wertgeschätzt fühlt. Vielleicht sollten wir uns alle mal fragen, was eine Handlung oder Worte in einem anderen Menschen auslösen. Wie würden wir uns fühlen, wenn sich unser Gegenüber so verhalten würde? Wenn ich nur eine einzige Person dazu gebracht habe, über sein Handeln nachzudenken, hat sich das Schreiben dieses Artikels schon gelohnt.

Cyber-Mobbing

Cyber-Mobbing ist ein großes Problem in der heutigen Gesellschaft, welches durch die Ausweitung der sozialen Medien und der ständigen Verbesserung des Internets eine immer größere Bedeutung erhält. Unter dem Begriff Cyber-Mobbing versteht man das absichtliche Beleidigen, Bedrohungen, Bloßstellen und Belästigen anderer Leute mithilfe des Internets und der Mobiltelefondienste. Doch wieso gibt es zusätzlich zum Mobbing offline nun auch noch Cyber-Mobbing? Und wie genau kommt es dazu?
Im Rahmen der JIM-Studie des Medienpädagogischen Forschungsverbandes Südwest setzen sich Forscher seit 1998 mit dem Umgang von Jugendlichen (Altersgruppe 12-19) mit Medien und Informationen auseinander. Dabei spielt seit einigen Jahren auch das Thema Cyber-Mobbing eine große Rolle. Zwei Fünftel, sprich 37 Prozent der Jugendlichen haben jemanden in ihrem Bekanntenkreis, der schon einmal zum Mobbingopfer wurde. Weiterhin fällt auf, dass die Mobbingrate in den Bekanntenkreisen der Mädchen mit 42 Prozent deutlich höher liegt, als bei den Jungs (31 Prozent).

Cybermobbing

Mobbing allgemein ist immer eine Sache der Machtstellung. Die Leute, die sich irgendwie beweisen wollen – oft auch, weil sie in ihrem Leben selbst auch Probleme haben – suchen sich ein Opfer, welches sich nicht oder nur schwer gegen die Angriffe wehren kann. Dadurch entsteht ein extremes Machtungleichgewicht: Während das Opfer sozial isoliert wird, fühlt sich der Täter („Bully“) überlegen und sich erhofft, dadurch aus seiner eigenen kleinen Welt entfliehen zu können. Indem er anderen Menschen Leid zufügt, puscht er sein eigenes Selbstwertgefühl auf und gewinnt so neue Kraft, um sich mit seinen eigenen Problemen auseinanderzusetzen.
Beim Cyber-Mobbing wird auf verschiedene Art und Weise gehandelt. Einerseits wird das Opfer viel über die sozialen Netzwerke, sowie E-Mail, SMS oder WhatsApp beleidigt, wobei es auch zum Ausschluss aus sozialen Gruppen oder Aktivitäten kommen kann. Andererseits werden aber auch im Vertrauen erzählte Informationen und Gerüchte, über die gemobbte Person, verbreitet. Das besondere am Cyber-Mobbing ist jedoch, dass der Täter rund um die Uhr in das Privatleben seines Opfers eingreifen kann, indem er ihm Nachrichten schreibt. Das bedeutet, das Mobben endet nicht nach der Schule oder der Arbeit, sondern das mobile Internet ermöglicht dem „Bully“ sogar, sein Opfer in den eigenen vier Wänden zu verfolgen und zu verunsichern. Dadurch kann die gemobbte Person zu keiner bestimmten Zeit vor den Mobbingattacken entfliehen oder sich zurückziehen.

Oft werden Bilder versandt, auf denen eine Person nicht so vorteilhaft abgebildet ist. Ein Beispiel dafür ist Snapchat. Man sendet lustige Bilder und Videos an seine Freunde und kann einstellen, wie lange diese sichtbar sind. Doch was ist, wenn das Bild gescreenshotet wird? Was ist, wenn das Bild aus Versehen an eine ganz andere Person versandt wird? Bilder und Videos werden über das Internet, an einen unüberschaubar großen Empfängerkreis versandt: schnell mal eben auf Facebook, Instagram und Co. geaddet, ohne vielleicht zu wissen, wer wirklich hinter dem Account steckt. Man denkt vielleicht, es ist einfacher so neue Bekanntschaften zu machen. Doch was ist, wenn sich plötzlich herausstellt, dass sich jemand ganz anderes hinter dem eigentlichen Account versteckt? Es ist nicht immer einfach, den Überblick über seine Kontakte zu haben. Doch genau das ist wichtig, um zu vermeiden, persönliche Posts an ungewollte Personen zu verschicken und unliebsame Reaktionen zu erhalten. Durch die Vielzahl an Zuschauern, die das Internet bietet, werden Inhalte und private Informationen über das Mobbingopfer, die es vielleicht schon wieder verdrängt oder vergessen hat, schneller und immer weiter verbreitet. Dies erschwert ihm darüber hinwegzukommen. Denn wie jeder weiß: das Internet vergisst nichts! Das Netz speichert jedes noch so peinliche Detail für die Ewigkeit. Auch werden viele Menschen aufgrund ihrer Selbstdarstellung schikaniert und erhalten zum Beispiel auf Instagram verletzende Kommentare.

Cybermobbing per Smartphone

Dadurch, dass der Täter meist sogar anonym handelt, wird es dem bloßgestellten Opfer erheblich erschwert, sich gegen seinen Mobber zu wehren, wenn dies überhaupt eine Option wäre. Nicht zu wissen, wer einem schadet, kann einem große Angst machen und den Mobbingprozess erheblich verlängern. Dem Täter drohen jedoch kaum Konsequenzen, da ihm durch sein anonymes Handels vorerst keiner etwas zur Last legen kann. Dazu müsste man sich schon professionelle Hilfe holen. Doch was würde der Täter selbst über Cyber-Mobbing denken, wenn er in der Haut seines Opfers stecken würde? Dadurch, dass der Täter die Reaktionen seines Opfers auf seine Mobbingaktionen meist nicht sehen kann, weil sie sich nicht von Angesicht zu Angesicht begegnen, ist ihm das Ausmaß seiner Taten oft nicht bewusst. Er kann nicht sehen, was seine verletzenden Worte oder Bilder mit dem Opfer machen und ist somit nicht dazu in der Lage, Empathie zu entwickeln.

Meiner Meinung nach sollte kein Mensch gemobbt werden. Jeder Mensch ist einzigartig und gut, so wie er ist. Denn wenn alle Menschen gleich wären, was wäre dann noch unser Leben?


Ann-Kathrin Eichhorn,
Jg.12


Recherche, Artikel, Grafiken: „Wie Mobbing den Alltag beeinträchtigt und das Leben für immer verändern kann“

Zoe Petermann,
Jg.12


Recherche, Artikel, Grafiken: „Mobbing und Cybermobbing“


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